Ortswechsel in Medizin von der Universität in Riga nach Dresden – Ein Erfahrungsbericht

Ortswechsel in Medizin von der Universität in Riga nach Dresden – Ein Erfahrungsbericht

Clara Heidi Herbst wollte schon immer Medizin studieren, erhielt jedoch in Deutschland keinen Studienplatz. An der Stradinš Universität in Riga absolvierte sie die ersten 5 Semester, anschließend wechselte sie an die TU Dresden, wo sie durch eine Bewerbung im höheren Fachsemester einen Studienplatz in Medizin erhielt. Im Interview berichtet sie von ihren Erfahrungen mit zwei sehr unterschiedlichen Studiensystemen.

Wie kamst du darauf, mit Medizin im Ausland anzufangen?

Riga, Hauptstadt Lettlands (Foto: David Holt)

Mit meinem Abi von 1,6 ging ich zunächst fest davon aus, einen Medizinstudienplatz in Deutschland zu bekommen. Eine Studienberatung hatte mir damals versichert, dass ich mir bei meinem Schnitt keine Gedanken machen müsse. Über Alternativen hatte ich mir daher keine Gedanken gemacht. Als mir dann lauter Absagen ins Haus flatterten, musste ich schnell handeln: Bei den meisten Unis im Ausland waren die Bewerbungsfristen bereits abgelaufen, sodass ich ein ganzes Jahr hätte warten müssen. Riga war die einzige Universität, deren Bewerbungsfrist  noch nicht verstrichen war und bei der man auch im Sommersemester anfangen kann. Die Gelegenheit habe ich dann genutzt.

Was hat dir an Deinem Studium in Riga gefallen?

Eine Menge! Besonders gefiel mir, wie gelehrt und abgefragt wird. Der Lernaufwand ist sehr hoch, man muss wahnsinnig viel Zeit und Energie in die Fächer stecken, ganz besonders während der Examenszeit. Dafür lernt man aber auch viel mehr und viel fundierter, als an anderen Universitäten. Was mir sehr gut gefiel, war das Studium in Kleingruppen von maximal zwölf Studenten. Die Dozenten kennen jeden Studenten persönlich und können daher gut einschätzen, wer sich auf welchem Level befindet. Auf diese Weise ist ein sehr individualisierter Unterricht möglich. 

Und auch die vielen Prüfungen, die über das ganze Semester verteilt sind, tragen zum nachhaltigen Verständnis bei. In einigen Fächern gibt es wöchentliche Tests, in anderen wird alle paar Wochen getestet. In jedem Fach gibt es mehrmals im Semester sogenannte Kolloquien – das sind Prüfungen mit offenen Fragen, also ohne Multiple Choice. Das Bestehen dieser Kolloquien ist notwendig, um am Ende des Semesters zum Examen zugelassen zu werden.

Hier kannst Du sehen, wie Du Dich aus Riga zum Sommersemester 2017 für ein höheres Fachsemester bewerben kannst: Bewerbungsstrategie Riga

Auf diese Weise ist man zum kontinuierlichen Lernen gezwungen. Das ist meiner Meinung nach die Voraussetzung dafür, dass die Informationen im Langzeitgedächtnis bleiben.

Wenn man wie in Deutschland allein für Multiple-Choice-Prüfungen lernt, lernt man gegebenenfalls zwar detaillierter, aber mit weniger Verständnis.

Was waren die Nachteile?

Im Vergleich zu Deutschland hat mir in Riga so gut wie alles besser gefallen. In der vorklinischen Zeit hätte ich mir gewünscht, dass ein bisschen mehr mit den Patienten gearbeitet wird und weniger theoretisch. Ich könnte mir aber vorstellen, dass das in Deutschland ähnlich ist.

Wie war es, auf Englisch zu studieren?

Ich hatte den Vorteil, dass ich bereits in der Schule eine gute bilinguale Englischausbildung hatte. Aber auch für die Anderen, die mit ganz normalem Schulenglisch in Riga angefangen haben, war es kein Problem, auf Englisch zu studieren. Ich kenne niemanden, der aufgrund der Sprache Probleme in seinem Studium gehabt hätte.

Wie wichtig ist es, Lettisch zu beherrschen?

Da Lettland so ein kleines Land ist und Lettisch nur von einem winzigen Teil der Weltbevölkerung gesprochen wird, fällt es in den ersten Semestern manchmal schwer, sich für den obligatorischen Lettisch-Kurs zu motivieren. In den späteren Semestern wird Lettisch aber immer wichtiger, weil man die Sprache für den Unterricht und den Patientenkontakt braucht. Russisch ist aber oft genauso hilfreich, weshalb sich ein Teil der Studenten entscheidet, Russisch zu erlernen, während der andere Teil in den folgenden Semestern sein Lettisch vertieft.

Wie ist das Verhältnis von Deutschen zu anderen Nationalitäten?

An der internationalen Fakultät sind ca. 40 Prozent der Medizinstudenten Deutsche, gefolgt von den skandinavischen Ländern. Jeder deutsche Student, der zum Studium in Riga zugelassen wird, kann sich entscheiden, ob er in einer internationalen Gruppe studieren möchte. So wird garantiert, dass niemand einer rein deutschen Gruppe zugeteilt wird, der das nicht ausdrücklich wünscht.

Neben der internationalen Fakultät gibt es noch die lettische Fakultät. Lange hatten die beiden Fakultäten wenig miteinander zu tun. Seit einiger Zeit besteht allerdings die Möglichkeit, in gemischten lettisch-internationale Gruppen zu studieren. Die Unterrichtssprache bleibt dabei natürlich Englisch.

Lohnt es sich, die hohen Studiengebühren zu zahlen?

Ich finde ja! Erstens ist das Verhältnis von Studierenden zu Lehrenden absolut genial. Es gibt Gruppen von durchschnittlich zehn Leuten mit einem Lehrer je Fach. Ein solches Betreuungsverhältnis ermöglicht einen tollen Unterricht, hat aber eben auch seinen Preis. Zweitens hat die Uni in allen Jahren, in denen ich vor Ort war, sehr viel Geld in Gebäudesanierungen und den Ausbau von Laboren investiert. Außerdem wurde erst vor einigen Jahren ein hochmodernes Technology Centre unweit des Hauptgebäudes eröffnet. Dort gibt es eine Vielzahl an Simulatoren, an denen zum Beispiel kleine Operationen geübt werden können. Man kann also deutlich erkennen, wo die Studiengebühren hinfließen.

Was nimmst du mit aus Deiner Zeit in Riga?

Ein sehr gefestigtes vorklinisches Wissen, tiefe Freundschaften, von denen ich hoffe, dass sie ein Leben lang bestehen bleiben und ganz viel Weltoffenheit. Es ist schon ein großer Schritt, mit 18 Jahren allein in ein fremdes Land zu ziehen, dessen Sprache man nicht spricht und von dem die meisten vorab nichtmals wissen, wo genau dieses Land überhaupt liegt. Wenn man dann die Erfahrung macht, dass das problemlos funktioniert, stärkt das natürlich das Selbstvertrauen. All das hätte ich wohl nicht erfahren, hätte ich direkt in Deutschland mit dem Studium begonnen.

Aus welchen Gründen bist du wieder zurückgekommen?

Der naheliegendste Grund ist natürlich der finanzielle Aspekt. Es lässt sich nun einmal nicht leugnen, dass das Studium in Riga kostspielig ist. Zudem hatte ich damals sehr idealisierte Vorstellungen vom Studium in Deutschland. Unter uns deutschen Medizinstudenten in Riga ist Deutschland das „gelobte Land“, wo alle hinmöchten. Es plant eben auch niemand, nach Riga zu kommen; es ist fast immer die Notlösung. In Riga sind die Studenten sehr kritisch, weil ihnen immer das Ideal von Deutschland vor Augen schwebt, ohne genau zu wissen, wie das Studium in Deutschland überhaupt aussieht. Es gab später Zeiten, in denen ich ein wenig bereut habe, überhaupt nach Deutschland zurückgekehrt zu sein.

Wie war der Neuanfang an der Uni in Dresden?

In Dresden musste ich mich an sehr große Lerngruppen und ein unpersönlicheres Umfeld gewöhnen. In den Prüfungen in Deutschland werden lauter Details abgefragt, es kommt nicht auf das Verständnis an. Es ist ein reines Auswendiglernen, was mich sehr geärgert hat. In Riga wurde sich häufig über den mangelnden Kontakt mit den Patienten beschwert, in Dresden war das aber leider ziemlich ähnlich.

Wie war es für dich, auf einmal auf Deutsch zu studieren?

Am Anfang war es etwas merkwürdig, selbst die einfachsten Ausdrücke – etwa die Segelklappe des Herzens – nicht zu kennen. Sobald aber die lateinischen Ausdrücke fielen, wusste ich, worum es geht.

Wie war es für dich, in einen bestehenden Jahrgang hineinzukommen?

Wir waren allein zwölf Quereinsteiger aus Riga, die gemeinsam in Dresden angefangen haben und noch einige Weitere von anderen ausländischen Universitäten. Gerade in der Anfangszeit haben wir viel unter uns gemacht. Aber dadurch, dass man in den Kursen ständig mit neuen Leuten zu tun hat, war es sehr einfach, auch schnell Kontakte zu den anderen Studenten zu knüpfen. Ich hatte das Gefühl, mit offenen Armen in Dresden aufgenommen worden zu sein und habe mich so schnell eingelebt.

Du studierst bereits Medizin an der Riga Stradinš Universität? Hier kannst du sehen bei wie vielen Universitäten in Deutschland du dich zum Sommersemester für ein höheres Fachsemester bewerben kannst: Bewerbungsstrategie – Es sind ab dem 2. Semester mindestens 25, auch wenn Du bereits das Physikum haben wirst.

Hast du eigene Erfahrungen mit dem Wechsel aus dem Ausland nach Deutschland und hast Lust darüber zu berichten? Schreib uns gerne an kontakt@bewerbungsrenner.de! 

Hast du Fragen zum Wechsel nach Deutschland? Melde dich gerne bei uns! Bewerbungsrenner unterstützt dich beim Einstieg in ein höheres Fachsemester in Medizin in Deutschland schon vor der Bewerbung in ein höheres Fachsemester.

“Wenn man wechseln will, sollte man sich nicht auf bestimmte Orte festlegen.” – Über den Wechsel ins Studium der Medizin in Deutschland

“Wenn man wechseln will, sollte man sich nicht auf bestimmte Orte festlegen.” – Über den Wechsel ins Studium der Medizin in Deutschland

Louis Feindt hätte sich mit einem Abiturschnitt von 1,6 für einen Medizinstudienplatz in Deutschland unter Umständen auf mehrere Jahre Wartezeit einstellen müssen. Stattdessen absolvierte er sein Physikum an der Semmelweis Universität in Budapest. Für die klinische Phase wechselte er dann ins 5. Fachsemester an die TU Dresden.

Wie kamst du darauf, Medizin in Budapest anzufangen?

Hörsaalzentrum der TU Dresden (Von Hans-Jürgen Räth Akrisios)

Hörsaalzentrum der TU Dresden (von Hans-Jürgen Räth Akrisios)

Nachdem ich in Deutschland keinen Studienplatz bekommen hatte, bin ich im Internet auf die Möglichkeit gestoßen. Pluspunkte waren, dass man dort auf Deutsch studieren kann und dass es den deutschsprachigen Studiengang schon seit 1983 gibt. Als Hamburger gefiel mir auch, dass die Medizinische Fakultät der Semmelweis Universität eine Niederlassung in Hamburg hat.

Würdest du dort wieder anfangen?

Durchaus! Ich habe die Ausbildung dort sehr genossen. Dadurch, dass hauptsächlich mündlich geprüft wird, kommt es auf das Verstehen an. Dadurch lernt man viel nachhaltiger. Außerdem ist es toll, im Ausland zu sein und Budapest ist wahnsinnig toll.

Hast du Ungarisch gelernt?

Ich habe über den Pflichtteil hinaus zwei Jahre Ungarisch gelernt. Es war mir wichtig, etwas von der ungarischen Kultur zu lernen und da gehört die Sprache dazu. Da ich im Alltag dann doch viel mit Deutschen unterwegs war, habe ich es aber nicht ständig gebraucht. Ein paar ungarische Freunde habe ich aber doch gefunden.

Aus welchen Gründen bist du wieder zurückgekommen?

Wäre es nur nach der Stadt gegangen, wäre ich gerne geblieben. Allerdings hätte es schon ein Sprachproblem gegeben. Wenn man mit Patienten umgeht, sollte man schon sehr gut Ungarisch sprechen können. Dann war da der Egofaktor: Ich freute mich über die Bestätigung, auch an einer deutschen Uni angenommen zu werden. In Budapest hätte ich vor der Doktorarbeit eventuell noch eine Diplomarbeit schreiben müssen. Dies ist in Deutschland auf jeden Fall nicht notwendig. Dann gefiel mir die Perspektive, noch eine neue Stadt und ein anderes Lernkonzept kennenzulernen. Ich glaube man profitiert sehr davon, verschiedene Studiensysteme kennenzulernen. Und natürlich sind auch die hohen Studiengebühren ein guter Grund, zurück nach Deutschland zu gehen.

Was nimmst du mit aus Deiner Zeit im Ausland?

Das war eine aufregende und schöne Zeit. Ich habe tolle Freundschaften gefunden, zu denen ich auch heute immer noch Kontakt habe. Ich habe eine Ausbildung genossen, die mich bestens auf die Klinik vorbereitet hat.

Wie war der Neuanfang an der TU Dresden?

Ziemlich witzig. Viele Leute sind mit mir quereingestiegen, darunter auch viele Leute, die ich aus Budapest kannte. Ich musste mich aber erst einmal an ein anderes System gewöhnen, in dem man sich viel mehr selbst um die Dinge kümmern muss. Vor allem gibt es viel Organisatorisches, das einem niemand abnimmt. Zum Glück waren die Leute in meiner Tutoriumsgruppe sehr aufnahmefreudig und hilfsbereit.

Wie unterscheiden sich die Ausbildungssysteme der beiden Länder?

In Budapest lernt man zwei Jahre lang in derselben kleinen Gruppe, wodurch sich das Studium familiärer anfühlt. Zwar lernt man auch in Dresden in kleinen Gruppen, aber die wechseln mit jedem Semester. Am Anfang eines neuen Semesters hast du oft das Gefühl, niemanden zu kennen. Das Studium in Budapest ist im Vergleich sehr verschult, dir wird genau gesagt, was du lernen sollst und es gibt mündliche Prüfungen. In Dresden ist das Studium hingegen vielmehr Selbststudium. Du musst selber selektieren, was wichtig ist. Das macht selbstständig. Außerdem habe ich an der TU Dresden ein paar mehr Freiheiten, in welchem Semester ich welche Kurse absolvieren möchte.

Wie kompliziert war der Wechsel nach Deutschland?

Nervenaufreibend war das Landesprüfungsamt in Hannover. Als ich meine Unterlagen dort zur Anerkennung hinschickte, war die einzige zuständige Person gerade zwei Wochen im Urlaub… Das hat mich eine Menge Zeit und Nerven gekostet. Ansonsten war es durch Bewerbungsrenner aber nicht weiter kompliziert.

Hast du besondere Tipps für den Quereinstieg?

Angesichts der knappen Plätze würde ich nicht so sehr nach den Städten gehen und mich rechtzeitig bewerben. Wenn man wechseln will, sollte man sich nicht auf bestimmte Orte festlegen.

Gibt es noch irgendwas, was du loswerden möchtest?

Ich habe mich bei Bewerbungsrenner sehr gut beraten gefühlt. Es war prima, immer einen Ansprechpartner zu haben und mit Leuten zu sprechen, die sich wirklich auskennen.

Hast du eigene Erfahrungen mit dem Wechsel aus dem Ausland nach Deutschland und hast Lust darüber zu berichten? Schreib uns gerne an kontakt@bewerbungsrenner.de! 

Ein Weg ins Studium der Medizin in Deutschland – Mit dem Physikum von der Universität Szeged an die TU Dresden

Ein Weg ins Studium der Medizin in Deutschland – Mit dem Physikum von der Universität Szeged an die TU Dresden

Moritz Lerch hat im deutschsprachigen Studiengang der Medizin an der Universität Szeged in Ungarn studiert. Für die klinische Phase des Studiums der Medizin wechselte er an die TU Dresden. Wir wollen wissen, wie es ihm dabei ergangen ist.

Wie kamst du darauf, mit Medizin im Ausland anzufangen?

Von McAnt - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15076975

Universität Szeged (Von McAnt – Eigenes Werk)

Eigentlich wollte ich immer schon Medizin studieren. Allerdings war mein Schnitt nicht gut genug, um direkt damit anzufangen. Nach einem FSJ an der Uniklinik in Münster hatte ich dann immer noch keinen Platz. Auf Empfehlung eines Bekannten habe ich mich dann in Szeged beworben.

Warum gerade Szeged?

Ganz allein ins Ausland zu gehen, ist schon ein krasser Schritt. In Szeged kannte ich zum Glück schon jemanden. Das war für mich ausschlaggebend.

Würdest du die Uni empfehlen?

Ja, sehr! Die Ausbildung ist viel praktischer und handwerklicher als in Deutschland, was mir sehr gefallen hat.  Am Anfang muss man sich vielleicht darauf einstellen, dass die Dozenten mitunter nur wenig Deutsch sprechen. Das deutsche Programm gibt es eben noch nicht so lange. Die Dozenten kommen überwiegend aus Ungarn, Deutsch ist nicht ihre Muttersprache. Das ist an anderen Medizin-Unis im Ausland aber auch so.

Hast du Ungarisch gelernt?

In der Uni gibt es einen Sprachkurs, den man belegen und auch bestehen muss. Der ist aber nicht so schwer. Da ich von Anfang an wusste, dass ich nach zwei Jahren wieder zurückwill, war meine Motivation nicht so groß. Trotzdem habe ich die Sprache gelernt. Mit Englisch kommt man sonst auch gut weiter.

Aus welchen Gründen bist du wieder zurückgekommen?

Aus finanziellen Gründen. Die Ausbildung und die Stadt haben mir sehr sehr gut gefallen und ich wäre gerne geblieben. Indem ich jetzt in Deutschland studiere, spare ich aber eine Menge Geld.

Was hast du Besonderes aus deiner Zeit im Ausland mitgenommen?

Szeged ist eine internationale Stadt, mittlerweile sind an der Uni über 50 Nationalitäten vertreten! Es ist einfach cool, im Ausland zu sein und Leute aus der ganzen Welt kennenzulernen. Dadurch lernt man auch sehr gut Englisch. Außerdem konnte ich dort als Student sehr gut leben: Miete, Lebensmittel, oder Essengehen ist viel günstiger als in Deutschland.

Wie war der Neuanfang an der TU Dresden?

Anstrengend. Du hast keine Einführungsveranstaltungen, niemand nimmt dich an die Hand. Es war auch nicht so einfach, in eine bestehende Gemeinschaft hineinzukommen. Viele Leute in Dresden hatten einfach schon feste Freundeskreise. Was den Einstieg erleichtert hat, waren die vielen anderen Neuen, die aus dem Ausland dazukamen. Mit denen ist ein Kennenlernen leichter, man ist eben in der gleichen Situation. Mittlerweile kenne ich auch andere Leute, aber das brauchte ein bisschen Zeit.

Hattest du Lücken?

Nein. Wenn man in Ungarn Medizin auf Deutsch studiert, hat man das „deutsche“ Physikum.

Wo warst du Mitstudierenden an der deutschen Uni voraus?

Wir hatten, wie gesagt, sehr viel mehr praktische Erfahrungen. Zum Beispiel hatten wir sehr viel mehr Praktika in Anatomie als in Deutschland. Der Praxisbezug wird dadurch erleichtert, dass in Ungarn Patienten häufig von Studierenden behandelt werden. Letztendlich kommt es aber darauf an, was man selbst aus seinem Studium macht.

Wie kompliziert war der Wechsel nach Deutschland?

Bürokratisch gesehen war es für mich einfach, da ich den Wechsel mit Bewerbungsrenner gemacht habe. Ich habe meine Unterlagen zu Euch geschickt, den Rest habt ihr gemacht. Von Kommilitonen habe ich mitbekommen, dass es sehr viel Papierkram ist, sich an allen deutschen Unis normal zu bewerben. Wenn du die Zusagen hast, muss aber alles sehr schnell gehen. Die Unterlagen müssen rechtzeitig da sein und natürlich musst du auch den Umzug meistern. Das ist stressig, aber es gehört dazu!

Hast du besondere Tipps für den Quereinstieg?

Als Medizinstudent kann man immer sagen, man soll fleißiger sein. Bei der ganzen Lernerei sollte man nicht vergessen, das Leben zu genießen.

 

Hast du eigene Erfahrungen mit dem Wechsel aus dem Ausland nach Deutschland und hast Lust darüber zu berichten? Schreib uns gerne an kontakt@bewerbungsrenner.de! 

Medizin in Riga und Leipzig – Eine Ortswechslerin (früher: Quereinsteigerin) im Interview

Medizin in Riga und Leipzig – Eine Ortswechslerin (früher: Quereinsteigerin) im Interview

Luisa Krahnen ist für ihr Medizinstudium nach Riga gegangen. Zum 5. Semester konnte sie unabhängig von ihrem Abiturschnitt durch eine Bewerbung in ein höheres Fachsemester an die Uni Leipzig wechseln. Bewerbungsrenner hat damals ihre Bewerbungen zum höheren Fachsemester für sie erledigt. Wie blickt sie heute auf diesen Weg zurück?

Luisa Krahnen

Luisa Krahnen

Wie bist du darauf gekommen, in Riga Medizin zu studieren?

Mit meinem Abischnitt hätte ich es gar nicht erst versuchen müssen, mich in Deutschland zu bewerben. Ein Freund hatte die Idee mit Riga und wir haben uns dann beide beworben. Witzigerweise ist der jetzt auch mit mir in Leipzig.

Wie zufrieden warst du mit der Uni dort?

Der Unterricht ist ganz gut, aber auch sehr verschult. Es gibt Anwesenheitspflicht und viele Prüfungen. Immerhin hat man einen Studienplatz, der in Deutschland anerkannt wird. Dafür, dass man pro Jahr etwa 10 000 Euro zahlt, bietet die Uni aber recht wenig. 

Wie war es für dich, auf Englisch zu studieren?

Ich habe mein Abi in Kanada gemacht, insofern war mir das ganz lieb. Ich hatte mich auf ein internationales Umfeld gefreut, aber wir waren fast nur Deutsche, das fand ich traurig. Außerhalb des Unterrichts haben wir fast nur Deutsch geredet. Die Studiengänge der Letten und Deutschen sind strikt getrennt. Man hat nichts miteinander zu tun.

Hast du Lettisch gelernt?

Die ersten drei Semester haben wir alle einen verpflichtenden Lettischkurs gemacht, aber niemand hat sich besonders Mühe gegeben. Da ohnehin so wenig Kontakt zu Letten bestand, war die Motivation nicht so groß. In meinem Jahrgang haben dann alle Russisch gelernt, weil das in Lettland fast jeder versteht und die Sprache auch für später nützlich sein kann.

Aus welchen Gründen bist du wieder zurückgekommen?

Das war immer der Plan, weil man in Riga nur sechs Jahre an der Uni ist, während man in Deutschland nach fünf Jahren ein Praktisches Jahr hat. Mir ist das Praktische Jahr sehr wichtig. Das hätte ich von Riga aus nicht machen können. Außerdem kommt ein deutscher Abschluss besser an. Ich bin froh, nach zweieinhalb Jahren wieder in Deutschland zu sein.

Was nimmst du aus Deiner Zeit im Ausland mit?

Lettland ist ein schönes Land und Riga eine schöne Studentenstadt. Das Leben dort fand ich mit der Zeit aber eher anstrengend. Im Allgemeinen wird wenig gelächelt und sich wenig in die Augen gesehen. Diese Verschlossenheit hat mir nicht so besonders gefallen.

Wie war der Neuanfang an der Uni Leipzig?

Ganz anders. Das Studium in Riga war sehr schulisch. In Leipzig hatte ich dann vielmehr das Gefühl, an einer Uni zu sein. Das heißt aber auch, dass man komplett auf sich allein gestellt ist. Für Quereinsteiger gibt es keine Einführung, wie im ersten Semester. Und leider auch keinen Leitfaden, der einem den Einstieg erleichtert. Es wäre ein guter Zug von der Uni Leipzig, wenn sie ihren Quereinsteigern mal auf einem Blatt Papier zusammenfassen könnte, wo man überall hinmuss und was man alles machen muss. Was man dabei immerhin lernt, ist Selbstständigkeit und Selbstorganisation. Man braucht allein zwei Tage um den Stundenplan zu entschlüsseln. Man muss sich seine Zeit genau einteilen und entscheiden, wann man was lernt. Insgesamt muss ich in Leipzig vielmehr lernen als in Riga. Das hängt auch mit der Umstellung auf Multiple Choice zusammen. Das kannte ich aus Riga weniger.

Hattest du fachliche Lücken bzw. Vorsprünge?

Lücken hatte ich in Biochemie, worauf in Riga wenig Wert gelegt wurde. Dafür weiß ich in Pathologie und Histologie um einiges mehr. Wir haben mehr Erfahrung im Umgang mit Patienten. Wegen der kleinen Unterrichtsgruppen in Riga, sind wir es gewohnt, mit den Dozenten zu diskutieren und aktiv im Unterricht mitzumachen. Die Dozenten in Leipzig freuen sich über Studenten, die richtig mitmachen, anstatt nur still dazusitzen und Notizen zu machen.

Wie war es für dich, auf einmal auf Deutsch zu studieren?

Das war anstrengend, aber inzwischen geht es. Wenn ich etwas auf Deutsch nicht weiß, sag ich es einfach auf Englisch, die Lehrer verstehen es ja auch so. Außerdem ist das meiste ja eh Latein.

Wie war es für dich, in einen bestehenden Jahrgang hineinzukommen?

Ich hatte sehr viel Glück, weil ich mit 16 Anderen aus dem Ausland neu in den Jahrgang kam. Wir haben uns zusammengefunden. Da wir das Ausland gut kennen, sind wir alle ziemlich weltoffen. Aber auch mit den Leuten, die schon vorher da waren, verstehe ich mich gut.  

Wie kompliziert war der Wechsel nach Deutschland?

Ich kriegte die Zusage und 10 Tage später sollte es losgehen. Das ist zunächst purer Stress: Ich musste mich innerhalb von drei Tagen einschreiben, ganz schnell alle Unterlagen sammeln, in einer fremden Stadt eine Wohnung suchen, mich in der Uni zurechtfinden. Aber es hat ja geklappt.

Würdest du den Umweg über das Ausland hin zu einem Studienplatz in Deutschland empfehlen?

Absolut! Selbst wenn das mit dem Wechsel nicht klappen sollte: Nach 6 Jahren ist man Arzt.

Hast du besondere Tipps für den Quereinstieg?

Wenn Du was nicht weißt: Frag die Leute einfach.

Hinweis: In einer früheren Version wurde geschrieben, dass die Rīga Stradiņš University in Riga keine Bibliothek hätte. Dies ist ein Missverständnis, die Universität hat eine Bibliothek (http://www.rsu.lv/eng/services/library/about).

Hast du eigene Erfahrungen mit dem Wechsel aus dem Ausland nach Deutschland und hast Lust darüber zu berichten? Schreib uns gerne an kontakt@bewerbungsrenner.de! 

Wann kommen Zulassungen/Absagen für Bewerbungen für höhere Semester in Medizin?

Wann kommen Zulassungen/Absagen für Bewerbungen für höhere Semester in Medizin?

Wann verschicken die Universitäten die Zu- bzw. Absagen für Studienplätze in Medizin und Zahnmedizin?

Wir haben Studierende bei allen Unis in Deutschland für ein höheres Semester in Medizin/Zahnmedizin beworben. Zusagen für Studienplätze in den gefragten Studiengängen Humanmedizin und Zahnmedizin werden Stück für Stück verschickt. Lediglich verschickte Absagen geben einen Hinweis auf den Abschluss des Auswahlverfahrens. Die Termine des Eingangs der Absagen findest Du in der Tabelle unten. Unsere Studierenden finden eine persönliche Übersicht in ihrem Bewerbercockpit. Trotz Absage hast Du durch eine Beteiligung an den Losverfahren der Universitäten noch eine Chance auf Studienplätze in Medizin und Zahnmedizin in Deutschland. Hier haben wir alle Infos dazu zusammengefasst.

Hinsichtlich der Bescheide der Universitäten ist es wichtig zu wissen, dass diese nicht von jeder Universität an alle Kandidatinnen und Kandidaten zeitgleich versandt werden. Dementsprechend kann es sein, dass Freundinnen oder Freunde von Dir von einer bestimmten Universität bereits einen Bescheid erhalten haben und Du jedoch noch nicht. Beachte bitte auch, dass die Bewerbungen auf vorklinische bzw. klinische Plätze zu unterschiedlichen Zeitpunkten beschieden werden.

Für das 1. klinisches Semester/5. Fachsemester können etwaige Plätze erst nach Bekanntgabe der schriftlichen Physikumsprüfungen vergeben werden. Die Ergebnisse findest Du hier. 

Hier findest Du eine aktuelle Übersicht über die Absagen für Bewerbungen für höhere Semester in Medizin und Zahnmedizin; wenn das Datum in der Vergangenheit liegt, sind die Absagen bereits erteilt worden:

 Universität  Vorklinik (erwartet)  Klinik (erwartet)
 Universität Leipzig  HM+ZM: bis Mitte/Ende September  HM+ZM: bis Mitte/Ende September
 Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau  HM+ZM: nach dem 20.09.  HM+ZM: nach dem 20.09.
 Carl von Ossietzky Universität Oldenburg  HM: 06./07.09.; ZM: nicht angeboten  HM: 06./07.09.; ZM: nicht angeboten
 Charité  ZM: Bescheide kurz vor Semesterbeginn  ZM: Bescheide kurz vor Semesterbeginn
 Christian-Albrechts-Universität zu Kiel  HM+ZM: ab Ende September  HM+ZM: ab Ende September
 Eberhard Karls Universität Tübingen  HM+ZM: keine Angabe; vermutl. Ende Sept.  HM+ZM: keine Angabe; vermutl. Mitte Oktober
 Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  HM+ZM: Mitte September  HM+ZM: Ende September bzw. Anfang Oktober
 Friedrich-Schiller-Universität Jena  HM+ZM: ab Mitte September  HM+ZM: ab Mitte September
 Georg-August-Universität Göttingen  HM+ZM: ab Mitte September  HM+ZM: ab Mitte September
 Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt am Main  HM+ZM: 05.09.  HM: 05.09.
 Johannes Gutenberg-Universität Mainz  keine Angabe  keine Angabe
 Julius-Maximilians-Universität Würzburg  HM+ZM: 13.09.  HM+ZM: keine Angabe; vermutl. Mitte Sept.
 Justus-Liebig-Universität Gießen  HM+ZM: keine Angabe; vermutl. ab Mitte Sept.  HM+ZM: keine Angabe; vermutl. ab Mitte Sept.
 Ludwig-Maximilians-Universität München  HM+ZM: keine Angabe; vermutl. bis 29.09.  HM+ZM: keine Angabe; vermutl. bis 29.09.
 Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  HM+ZM: keine Angabe; vermutl. ab Mitte Nov.  HM+ZM: keine Angabe; vermutl. ab Mitte Nov.
 Medizinische Fakultät Mannheim an der Universität Heidelberg  

HM: 01.10.

 HM: 17.10.
 Medizinische Hochschule Hannover (MHH)  keine Angabe  keine Angabe
 Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg  keine Angabe  keine Angabe
 Philipps-Universität Marburg  HM+ZM: keine Angabe; vermutl. Mitte Oktober  HM+ZM: keine Angabe; vermutl. Mitte Oktober
 Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  HM+ZM: 01.10.  HM+ZM: 17.10.
 Technische Universität Dresden  HM+ZM: keine Angabe; vermutl. ca. 20. Sept.  HM+ZM: keine Angabe; vermutl. ca. 20. Okt.
 Technische Universität München  Vorklinik wird nicht angeboten  HM: keine Angabe
 Universität des Saarlandes  HM+ZM: 1. oder 2. Oktoberwoche  HM+ZM: 1. oder 2. Oktoberwoche
 Universität Hamburg  HM+ZM: Vorklinik wird nicht angeboten  ZM: kein Angebot; HM: keine Angabe
 Universität Rostock  HM: 08.09.  HM: keine Angabe; vermutl. zw. 20.09. u. 10.10.
 Universität Ulm  HM+ZM: spät. 2 Wochen vor Semesterbeginn  HM+ZM: spät. 2 Wochen vor Semesterbeginn
 Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  HM+ZM: ab Ende September  HM+ZM: ab Ende September
 Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  HM+ZM: keine Zulassung bis 15.10.=Ablehnung  HM+ZM: keine Zulassung bis 15.10.=Ablehnung
 Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  HM+ZM: keine Zulassung bis 31.10.=Ablehnung  HM+ZM: keine Zulassung bis 31.10.=Ablehnung
 Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  HM+ZM: keine Zulassung bis 31.03.=Ablehnung  HM+ZM: keine Zulassung bis 31.03.=Ablehnung
 Ruhr-Universität Bochum  HM: keine Zulassung bis 30.11.=Ablehnung  HM: keine Zulassung bis 30.11.=Ablehnung
 Universität Duisburg-Essen  HM: Keine Ablehnugen; Zulassungen u.U. bis 31.03.  HM: Keine Ablehnugen; Zulassungen u.U. bis 31.03.
 Universität zu Köln  HM+ZM: Es werden keine Absagen verschickt.  HM+ZM: Es werden keine Absagen verschickt.
 Westfälische Wilhelms-Universität Münster  HM+ZM: keine Zulassung bis 01.11.=Ablehnung  HM+ZM: keine Zulassung bis 01.11.=Ablehnung
 Universität zu Lübeck  HM: keine Angabe; vermutl. ab Anfang Okt.  HM: 1. und 2. klin. Semester nicht angeboten
 Universität Regensburg  HM+ZM: Mitte September  HM+ZM: Mitte September

ZM: Zahnmedizin / HM: Humanmedizin