Warum sich eine Bewerbung zum Sommersemester lohnt

Warum sich eine Bewerbung zum Sommersemester lohnt

In jedem Semester kannst du dich für ein höheres Fachsemester in Human- oder Zahnmedizin bewerben und damit deine Chancen auf eine Zulassung in Deutschland optimal nutzen. Warum sich eine Bewerbung gerade auch zum Sommersemester lohnt, erfährst du hier.

 

Warum sollte man sich zum Sommersemester bewerben?

Auch zum Sommersemester gibt es gute Bewerbungsmöglichkeiten auf höhere Fachsemester, was jedoch viele nicht wissen. Deshalb ist hier die Zahl der Bewerber_innen in der Regel sogar noch geringer und die Erfahrung zeigt, dass genauso zum Sommersemester Plätze frei werden, sowohl in vorklinischen als auch klinischen Semestern.

An wie vielen Unis kann man sich denn zum Sommersemester bewerben?

Welche Semester angeboten werden, siehst du hier. Die meisten Universitäten bieten zum Sommersemester insbesondere die geraden Semester an. Für Humanmedizin-Studierende gilt, wer eine Anrechnung über zum Beispiel ein, zwei oder drei Fachsemester hat, kann sich damit an fast allen Fakultäten bewerben.

Doch auch für Bewerbungen auf das erste klinische Semester sieht es insgesamt besser aus, als vielen bekannt ist. Denn zusätzlich zu den 18 Universitäten, die das 5. Fachsemester anbieten, kann man sich bei fünf weiteren Universitäten auch mit einem Physikumsbescheid auf das 4. Fachsemester bewerben (die übrigen Unis erlauben dies nicht). So kommt man dann auf 23 Bewerbungsmöglichkeiten, was immerhin zwei Drittel der Fakultäten ausmacht.

Für Zahnmedizin-Studierende ist die Bewerbung an 13 Universitäten auf alle Semester möglich und zusätzlich bei 14 Universitäten auf alle geraden Fachsemester.

Habt Ihr noch allgemeine Tipps zum Ortswechsel?

Wer einen Ortswechselanstrebt, sollte mit den Bewerbungen nicht bis zum klinischen Studienabschnitt warten, sondern es schon in den Semestern davor versuchen. In der Regel ist spätestens nach zwei Semestern an einer Uni im EU-Ausland eine Bewerbung in Deutschland zum höheren Fachsemester erstmalig möglich, für Teilstudienplatzinhaber_innen ist die Bewerbung bereits nach dem ersten Semester möglich. Bewirbst du dich mehrfach, hast du insgesamt logischerweise die größten Chancen auf einen Studienplatz in Deutschland. Wie wir gesehen haben, ist es dabei sinnvoll, sich bei der Bewerbung gedanklich nicht auf einen Platz in einem bestimmten Fachsemester zu versteifen und auch nicht auf bestimmte Universitäten zu beschränken. 

Hier siehst du noch einmal, bei wie vielen Unis du dich für das Sommersemester 2018 bewerben kannst.

 

Neue medizinische Fakultäten in Deutschland

Für das Wintersemester 2018/ 2019 konnte man sich erstmals an der medizinischen Fakultät Bonn-Siegen für das Fach Humanmedizin bewerben – rund 2500 Menschen bemühten sich dann auch, um einen der 25 Plätze zu erhalten. Zum Sommersemester 2019 soll es möglich sein, einen Antrag auf Zulassung für das 2. Fachsemester zu stellen.

In den kommenden Jahren sollen weitere medizinische Fakultäten an den Standorten Augsburg und Bielefeld eröffnen.
Eigens für Augsburg soll sogar ein Modellstudiengang entworfen werden, der gezielt auf die Bedürfnisse der Medizinausbildung und des angestrebten Berufs zugeschnitten ist. Nach und nach soll dieser Studienstandort aufgebaut werden, erklärtes Ziel ist die Immatrikulation von 1500 Studierenden.
Der Standort Bielefeld wird sich wiederum am “Bochumer Modell” orientieren. Zweck dieser Fakultät wird die Verbesserung der medizinischen Versorgung in ländlichen Regionen.

Sicherlich wird der Versuch, Abhilfe im Studienplatzmangel zu schaffen, bei vielen Studierenden, die einen Ortswechsel ins höhere Fachsemester (früher Quereinstieg; genauere Erläuterung der Begriffe: https://www.bewerbungsrenner.de/fragen/) anstreben, positiv aufgenommen werden. Letztendlich kann jedoch nur gehofft werden, dass sich die Politik in den nächsten Jahren dieser Thematik intensiver widmet. Der Ärzte- und Ärztinnen-Mangel scheint schließlich allen bewusst zu sein. Ob in Zukunft auch mehr Kapazitäten für Studierende der Zahnmedizin geschaffen werden, ist uns derzeit leider nicht bekannt.

Weitere Informationen findest du auf folgenden Internetseiten:

https://www.uni-bonn.de/studium/vor-dem-studium/faecher/humanmedizin-bonn-siegen
https://www.uni-augsburg.de/projekte/medizin/studium/
https://www.uni-bielefeld.de/medizin/
http://www.ww-kurier.de/artikel/72511-medizin-campus-bonn-siegen-ist-gestartet

10 Tipps für die Bewerbungen zum SoSe 2018

10 Tipps für die Bewerbungen zum SoSe 2018

Du studierst im Ausland Human- oder Zahnmedizin und möchtest durch Bewerbungen auf höhere Fachsemester deine Chance auf einen Studienplatz in Deutschland nutzen? Hier haben wir 10 Tipps für die Bewerbungsphase zusammengestellt:

 

1) Fristen & Universitäten prüfen

Hier findest du die Universitäten, an denen du dich zum SoSe 2018 bewerben kannst, inklusive der Bewerbungsfristen.

 

2) Bewerbungssemester

Anhand der oben genannten Liste kannst du prüfen, an welcher Uni du dich auf dein gewünschtes Semester bewerben kannst. Beachte: Dein Bewerbungssemester ergibt sich aus deinem Anerkennungsbescheid vom Landesprüfungsamt.

Innerhalb des vorklinischen Studienabschnitts werden tendenziell immer weniger Semester anerkannt, als du bereits studiert hast. Mit wie vielen Semestern du rechnen kannst, kannst du in unserer Tabelle der Erfahrungswerte nachschauen klicke einfach hier   Jedoch ist es wichtig, zu wissen, dass jeder Fall individuell ist und das letzte Wort das Landesprüfungsamt hat. Beispiel: Du hast in Timisoara 3 Semester studiert und dir werden vom Landesprüfungsamt 2 Semester anerkannt, dann kannst du dich in Deutschland auf das 3. Fachsemester bewerben.

Hast du im Ausland bereits den vorklinischen Studienabschnitt erfolgreich abgeschlossen bzw. wirst ihn im aktuellen Semester abschließen, wird dir in der Regel dein Physikum in Deutschland anerkannt. In diesem Fall reichen meistens 4 studierte Fachsemester aus, um 4 Fachsemester angerechnet zu bekommen. Wichtig ist, dass du unbedingt auch das Krankenpflegepraktikum vollständig absolviert hast, da sonst das Physikum nicht anerkannt werden kann.

Hast du Fragen zur Anerkennung, kannst du uns gerne ansprechen.

 

3) Anerkennung der im Ausland erbrachten Leistungen vorbereiten

Informiere dich, welches Landesprüfungsamt für die Anerkennung deiner im Ausland erbrachten Leistungen zuständig ist. Den Antrag an das Landesprüfungsamt kannst du auf der Internetseite des Prüfungsamtes herunterladen und bereits vorbereiten.

Landesprüfungsämter für Humanmediziner

Wenn du Humanmedizin studierst, ist das Landesprüfungsamt des Bundeslandes für dich zuständig, in dem du geboren bist. Das Gute daran ist: Dieser Bescheid gilt für alle Bundesländer bzw. (fast) alle medizinischen Fakultäten. Bist du im Ausland geboren, ist das Landesprüfungsamt Nordrhein Westfalen für dich zuständig.

Landesprüfungsämter für Zahnmediziner

Wenn du Zahnmedizin studierst, ist das Landesprüfungsamt des Bundeslandes für Dich zuständig, in dem Du mit einem Wohnsitz gemeldet bist. Falls Du nicht mehr in Deutschland gemeldet bist, ist generell das Landesprüfungsamt Thüringen für Dich zuständig. Anders als in Humanmedizin erhalten Zahnmediziner_innen einen vorläufigen Anerkennungsbescheid. Wenn du einen Studienplatz hast, musst du eventuell noch einmal vom Bundesland der Uni eine Anrechnung beantragen.

 

4) Erstellen der Bewerbung

Die Bewerbungen an den Universitäten gestalten sich unterschiedlich.

Ein Großteil der Unis arbeitet mit Onlineportalen, bei einigen muss man sich registrieren, andere funktionieren ohne Registrierung. Hier wird man Schritt für Schritt durch die Bewerbung geführt und am Ende erhält man seinen Antrag auf Zulassung als PDF. Dieser muss in der Regel ausgedruckt, unterschrieben und mit den geforderten Unterlagen zur Uni geschickt werden.

Wenige Unis stellen auf ihrer Internetseite den Antrag auf Zulassung als PDF direkt zum Download zur Verfügung. Dieser wird handschriftlich oder am Rechner ausgefüllt und ebenso mit allen Unterlagen, unterschrieben zur Uni geschickt.

 

5) Prüfen des jeweiligen Zulassungsantrags auf einzureichende Dokumente

Auf dem Zulassungsantrag findest du häufig die Informationen über die einzureichenden Dokumente und ob zum Antrag auf Zulassung ein weiteres Dokument ausgefüllt und mitgeschickt werden muss.

Wenn amtliche Beglaubigungen von der Uni gefordert werden, müssen diese bei einer Stelle für amtliche Beglaubigungen durchgeführt werden (gut beraten ist man hier bei einem Notar oder dem Bürgeramt).

Beachte: Eine Beglaubigung von einem Rechtsanwalt durchgeführt, anwaltliche Beglaubigung, reicht in diesem Fall nicht aus.  

Und zu guter letzt bitte nicht vergessen, den Antrag persönlich zu unterschreiben.

 

6) Bewerbung rechtzeitig zum 15.01. bzw. 15.03. verschicken

Beachte: Da das Semester frühestens im Januar abgeschlossen wird, geben die Universitäten eine Nachreichfrist für das Einschicken der anerkannten Leistungen vom Landesprüfungsamt. Diese Frist gilt jedoch nicht für den Antrag auf Zulassung! Dieser muss zur ersten Frist (in den meisten Fällen der 15.01., in Nordrhein Westfalen der 15.03.) in der Uni vorliegen.

Die Nachreichfristen der Universitäten findest du auf dem Zulassungsantrag, im Onlineportal der Uni oder auf der Uni eigenen Webseite. Da diese Fristen unterschiedlich sind, empfiehlt es sich, eine Übersicht der Nachreichdaten zu erstellen.

 

7) Semester abschließen und Leistungsanerkennung beantragen

Sobald der letzte Kurs des Wintersemesters abgeschlossen ist, gilt es keine Zeit zu verlieren. Besorge dir schnell deine aktuelle Notenübersicht und lasse diese für die Leistungsanerkennung beglaubigen.

Den vorbereiteten Antrag auf Anerkennung reiche nun direkt bei dem für dich zuständigen Landesprüfungsamt ein. Um die Nachreichfrist einhalten zu können, darf man hier wirklich keine Zeit verlieren.  

Möchtest du dir dein Physikum anerkennen lassen, reiche deine aktuelle Notenübersicht bzw. deine erworbenen Scheine, deine Immatrikulationsbescheinigung, Zeugnisse über den geleisteten Krankenpflegedienst und ggf. Erste-Hilfe-Kurs sowie den ausgefüllten und unterschriebenen Antrag auf Anerkennung beim Landesprüfungsamt ein. Beachte, dass du deine Unterlagen häufig im Original oder in beglaubigter Kopie einreichen musst.

 

8) Nachreichen der Leistungsanerkennung

Sobald du deine Leistungsanerkennung erhalten hast, reiche diese in einfacher oder beglaubigter Kopie nach, wenn von der Uni innerhalb der Nachreichfrist gefordert. Vereinzelte Universitäten verlangen die Leistungsanerkennung erst zur Einschreibung. Diese Info wirst du auf dem Zulassungsantrag finden, deswegen ist es ratsam, sich diesen vor Verschickung auch noch einmal gesondert abzuspeichern.

 

9) Bewerbungsstatus prüfen

Die Unis nutzen unterschiedliche Portale. Speichere dir die Zugangsdaten der verschiedenen Bewerbungsportale gut ab, so kannst du regelmäßig den Status deiner Bewerbung prüfen.

Wir empfehlen, den Status jeder Bewerbung vor dem Ablaufen der Nachreichfrist zu prüfen. Mehrere Unis machen in ihren Portalen auf mögliche fehlende Unterlagen aufmerksam. Innerhalb der Nachreichfrist kannst du unter Umständen diesen Mangel noch beheben, so dass deine Bewerbung ins Verfahren eingehen kann.

 

10) Nun heißt es, auf das Beste hoffen. Wir drücken euch auf jeden Fall die Daumen 🙂

 

Es grüßt euch Christina von Bewerbungsrenner

Ortsnähe – Erhöhte Chance auf einen Studienplatz in Deutschland?

Ortsnähe – Erhöhte Chance auf einen Studienplatz in Deutschland?

Bei einer Bewerbung für ein höheres Fachsemester in Medizin oder Zahnmedizin wird man öfter mit der Frage nach der Ortsnähe konfrontiert. Aber was ist das eigentlich? Und kann man dadurch die Chancen auf einen Studienplatz erhöhen? Ja, in manchen Fällen! Wie das möglich ist, erfahrt ihr hier.

Was ist eigentlich Ortsnähe? Ortsnähe ist die Nähe des Hauptwohnsitzes, an dem man gemeldet ist, zum zukünftigen Studienort. Nun mag man zunächst denken, dass ein Studium im Ausland es daher unmöglich macht, Ortsnähe in Anspruch zu nehmen. Aber: Auch wenn ihr im Ausland studiert, funktioniert es, weiterhin in Deutschland gemeldet zu sein. Sofern Ortsnähe ein Kriterium bei der Rangfolgebildung ist, sind der Universität Stadt- und Landkreise zugeordnet, die das Einzugsgebiet bilden. Bewerber_innen aus diesem Einzugsgebiet werden denen gegenüber bevorzugt zugelassen, die nicht dort gemeldet sind. Welche Kreise einer Universität zugeordnet sind, erfährt man durch die Zulassungsverordnung des Bundeslandes oder durch die Webseite der Universität.
Jedoch ist Wohnsitz nicht gleich Wohnsitz, denn es kommt auch auf die Form der Meldung an. So unterscheidet man zwischen:

  1. Hauptwohnung mit Ehe-Partner_in (oder eingetr. Partner_in) und/oder Kind/ern,
  2. Hauptwohnung mit den Eltern bzw. mindestens einem Elternteil,
  3. Hauptwohnung, alleine bewohnt oder mit anderen Personen.

Gilt die Ortsnähe denn überall gleichermaßen als Kriterium? Nein. Ob und in welcher Form die Ortsnähe eine Rolle spielt, hängt vom Bundesland und der jeweiligen Universität ab. Aber sofern die Ortsnähe von Bedeutung ist und man sie entsprechend geltend machen kann, wird man in eine günstigere Ranggruppe eingeordnet. In den meisten Fällen zählt nur die Wohnung mit (Ehe-)Partner_in und/oder Kind/ern für die Ortsnähe. An ein paar Uni-Standorten ist darüber hinaus auch die Meldung gemeinsam mit den Eltern auf dieselbe Hauptwohnung vorteilhaft. Niedersachsen ist das einzige Bundesland, in dem als drittes Kriterium ebenso grundsätzlich die Meldung mit der Hauptwohnung in Niedersachsen die persönliche Rangposition begünstigt. Und in manchen Bundesländern, wie zum Beispiel Bayern, kommt die Ortsnähe zum höheren Fachsemester gar nicht zum Tragen. Sofern in einem Bundesland zwei oder alle drei der unterscheidbaren Meldekriterien gelten, so sind diese innerhalb des Zulassungsverfahrens in der oben aufgelisteten Reihenfolge einander über- bzw. untergeordnet. Jemand der im Einzugsgebiet einer Uni mit seinen Kindern gemeldet ist, wird also jemandem gegenüber bevorzugt, der im Einzugsgebiet der betreffenden Uni bei den Eltern gemeldet ist.

Wie kann man die Ortsnähe belegen? Durch Vorlage einer entsprechenden Meldebescheinigung, die der Bewerbung beigefügt wird. Diese kann man gegen eine kleine Gebühr beim für den Wohnort zuständigen Bürgeramt beantragen. Wichtig ist, darauf zu achten, dass eventuell mehrere Meldebescheinigungen erforderlich sind, um den entsprechenden Status geltend machen zu können (z.B. die des Bewerbers/ der Bewerberin sowie zusätzlich die zumindest eines Elternteils oder des Partners/der Partnerin und/oder des Kindes/der Kinder). Bei abweichender Namensgebung innerhalb der Familie können u.U. auch Dokumente wie Eheurkunde oder Geburtsurkunde der Kinder nötig sein. In jedem Fall müssen die eingereichten Unterlagen geeignet sein, das Vorhandensein des jeweiligen Kriteriums nachzuweisen.

Also, noch einmal zusammengefasst: Die Ortsnähe kann die Chance auf einen Studienplatz erhöhen, sofern Ortsnähe ein Kriterium ist, der Wohnort in einem der Universität zugeordneten Land- oder Stadtkreis liegt, die Meldung die erforderliche Form hat und dies per Meldebescheinigung(en) belegt werden kann.

Studienplatzzusage in Medizin im falschen Fachsemester – Wie Amelia hochgestuft wurde

Studienplatzzusage in Medizin im falschen Fachsemester – Wie Amelia hochgestuft wurde

Amelia, Quereinsteigerin in Medizin

Amelia meldete sich bei uns, um von ihrem Quereinstieg nach Deutschland zu berichten, nachdem sie die Geschichten von anderen Quereinsteigern/ Quereinsteigerinnen aus Medizin auf der Webseite von Bewerbungsrenner gelesen hatte. Sie selbst studierte im 4. Fachsemester Medizin an der Universität in Vilnius, als sie eine Zusage für einen Studienplatz an der Universität Bonn erhielt – für das 2. Fachsemester…

Amelia, was hat dich zum Wechsel von Vilnius nach Deutschland bewogen?

Eigentlich hat es mir in Vilnius sehr gut gefallen. Trotzdem wollte ich gerne näher bei Familie, Freunden und meinem Freund sein. Und natürlich spart man eine Menge Studienkosten. Um den Wechsel zu schaffen, habe ich mich jedes Semester an den Unis in Deutschland beworben. Zwischen dem dritten und vierten Semester bekam ich zum Sommersemester 2016 dann endlich eine Zusage aus Bonn – für das 2. Fachsemester. Da hatte das Semester gerade schon begonnen. Von der Uni Bonn wurde mir mitgeteilt, dass ich schon Kurse verpasst habe und dass ich das Physikum frühestens im März 2017 machen können würde. Dabei fehlten mir nur drei unnötige Einführungsveranstaltungen…

Was stellt man mit einem Studienplatz im falschen Fachsemester an?

Mein Plan war, das Vorklinikum in Vilnius zu beenden, um mich dann mit dem Bescheid für das Physikum in Bonn hochstufen zu lassen. Die Studienkoordinatoren in Bonn meinten zu mir, dass das wahrscheinlich nicht funktionieren würde.

Aber du konntest Dich hochstufen lassen, oder?

In Foren hatte ich gelesen, dass die Uni Bonn immer wieder Hochstufungen vornimmt. Ich habe mir gedacht, probieren kann man es ja mal. In Vilnius habe ich dann nur noch Physiologie absolvieren müssen. Und mit dem Physikumsbescheid erhielt ich prompt die Nachricht, ich sei erfolgreich ins 5. Fachsemester hochgestuft worden! Ob im Einzelfall hochgestuft wird, ist, glaube ich, schwer vorherzusagen und hängt auch von der Uni ab.  Eine Freundin zum Beispiel hat einen Platz in Jena bekommen. Sie konnte dort allerdings auf Grund mangelnder Plätze nicht einfach hochgestuft werden.

Lass uns über die Bewerbungen sprechen. Was würdest du Bewerbern/ Bewerberinnen aus deiner eigenen Erfahrung heraus raten?

Es lohnt sich, sehr viel Energie in die Bewerbungen zu stecken. Man sollte sich nicht nur an ein paar Unis bewerben, sondern an so Vielen wie möglich. Selbst wenn man nicht an der Wunsch-Uni gelandet ist, kann man später immer noch darauf hoffen, einen Tauschpartner zu finden. Das ist von Deutschland aus wesentlich einfacher. Außerdem habe ich mich jedes Semester neu beworben, was die Chancen auf einen Platz auch erhöht. An manchen Unis, auch in Bonn, habe ich mich sogar mehrfach auf verschiedene Semester beworben.

Und man kann sich tatsächlich auf mehrere Fachsemester bewerben?

Ich habe geguckt, was auf den Uni-Webseiten geschrieben steht. Und wenn da nicht ausdrücklich stand, dass man sich nur auf ein Semester bewerben darf, ist es vielleicht eine gute Idee, sich für das zweite, dritte und vierte gleichzeitig zu bewerben. Ich habe immer die gleichen Unterlagen verwendet und bloß unterschiedliche Umschläge benutzt. Nur eine Uni, bei der ich mich für das 2. Fachsemester beworben hatte, teilte mir mit, ich hätte zu viele Scheine.*

Hast du vielleicht sonst noch eine Empfehlung, wie man seine Chancen auf einen Quereinstieg erhöhen kann?

Ich habe immer alles hinzugefügt, was ich an sozialen Tätigkeiten vorweisen kann. Beispielsweise habe ich eine dreimonatige Rettungssanitäterausbildung gemacht und das bei keiner Bewerbung unterschlagen. Ich glaube, das war ein Vorteil.**

Hat sich denn der Wechsel letztlich gelohnt? Bist du gut in Bonn angekommen?

Ja, ich bin froh, hier zu sein. Vor kurzem habe ich zum Glück die erste Prüfungsphase erfolgreich hinter mich gebracht!

Das freut mich zu hören. Liebe Amelia, vielen Dank für das Interview.

 

Unsere Erfahrungen mit Höherstufungen in Medizin/Zahnmedizin an Universitäten in Deutschland:

Amelias Fall zeigt, dass eine Hochstufung manchmal unbürokratisch möglich sein kann. In der Regel muss man sich an der betreffenden deutschen Universität nach Erwerb des Physikums zum Folgesemester um Höherstufung bewerben. Dies funktioniert prinzipiell genauso wie eine Bewerbung zum höheren Fachsemester. Der Unterschied ist, dass man jetzt als ‚Höherstufer‘ eingruppiert wird. Diese Ranggruppe wird vor allen externen Bewerbern (Ortswechsler und Quereinsteiger) zugelassen, insofern es freie Plätze im entsprechenden Fachsemester gibt. So ist das Verfahren der Hochstufung zumindest an dem meisten Universitäten geregelt. Im Einzelfall muss man sich darüber informieren, wie es an der Universität aussieht, an der man eingeschrieben ist, denn nicht überall gibt es die Ranggruppe der ‚Höherstufer‘. Auch wenn insgesamt die Chancen gut stehen, dass die Höherstufung gelingt, so gibt es dafür keine Garantie. Falls sie nicht gelingt, muss man die Zeit z.B. mit Praktika oder Promotionsvorbereitungen überbrücken, bis man automatisch in das zum Studienstand passende Fachsemester einzieht.

* Anmerkung von Bewerbungsrenner: Uns ist einzig von der Universität Gießen bekannt, dass dort explizit die Bewerbung auf bis zu 3 Fachsemester zulässig ist. Hierzu sind 3 jeweils in sich vollständige Bewerbungen einzureichen. Jedoch bietet die Universität Gießen rund ums Jahr alle Fachsemester an, weshalb man sich jederzeit auf das individuell ideale Fachsemester bewerben kann. An den anderen Universitäten muss man sich grundsätzlich immer auf das im Verhältnis zum persönlichen Anrechnungsstand (möglichst) passende Fachsemester bewerben.
** Anmerkung von Bewerbungsrenner: Diese Einschätzung ist so leider nicht richtig. ‘Sonderleistungen’ im weitesten Sinne bringen bei den – sehr standardisierten – Bewerbungen zum höheren Fachsemester in Medizin (fast) keinen Vorteil ein. Medizinische Vorausbildungen werden – im Gegensatz zu einer Bewerbung auf das 1. Fachsemester über die Stiftung “hochschulstart” – überhaupt nicht berücksichtigt. Nur von den Universitäten Magdeburg und Tübingen ist uns derzeit bekannt, dass dort ein abgeleisteter Dienst (FSJ, Zivil- oder Wehrdienst, Bundesfreiwilligendienst, FÖJ etc.) einen kleinen Pluspunkt einbringt. Dies bedeutet, dass man bei Ranggleichheit mit anderen Kandidaten diesen gegenüber bevorzugt zugelassen wird. Die Rangfolge an sich wird aber zuvor über andere Kriterien gebildet.

Ortswechsel in Medizin von der Universität in Riga nach Dresden – Ein Erfahrungsbericht

Ortswechsel in Medizin von der Universität in Riga nach Dresden – Ein Erfahrungsbericht

Clara Heidi Herbst wollte schon immer Medizin studieren, erhielt jedoch in Deutschland keinen Studienplatz. An der Stradinš Universität in Riga absolvierte sie die ersten 5 Semester, anschließend wechselte sie an die TU Dresden, wo sie durch eine Bewerbung im höheren Fachsemester einen Studienplatz in Medizin erhielt. Im Interview berichtet sie von ihren Erfahrungen mit zwei sehr unterschiedlichen Studiensystemen.

Wie kamst du darauf, mit Medizin im Ausland anzufangen?

Riga, Hauptstadt Lettlands (Foto: David Holt)

Mit meinem Abi von 1,6 ging ich zunächst fest davon aus, einen Medizinstudienplatz in Deutschland zu bekommen. Eine Studienberatung hatte mir damals versichert, dass ich mir bei meinem Schnitt keine Gedanken machen müsse. Über Alternativen hatte ich mir daher keine Gedanken gemacht. Als mir dann lauter Absagen ins Haus flatterten, musste ich schnell handeln: Bei den meisten Unis im Ausland waren die Bewerbungsfristen bereits abgelaufen, sodass ich ein ganzes Jahr hätte warten müssen. Riga war die einzige Universität, deren Bewerbungsfrist  noch nicht verstrichen war und bei der man auch im Sommersemester anfangen kann. Die Gelegenheit habe ich dann genutzt.

Was hat dir an Deinem Studium in Riga gefallen?

Eine Menge! Besonders gefiel mir, wie gelehrt und abgefragt wird. Der Lernaufwand ist sehr hoch, man muss wahnsinnig viel Zeit und Energie in die Fächer stecken, ganz besonders während der Examenszeit. Dafür lernt man aber auch viel mehr und viel fundierter, als an anderen Universitäten. Was mir sehr gut gefiel, war das Studium in Kleingruppen von maximal zwölf Studenten. Die Dozenten kennen jeden Studenten persönlich und können daher gut einschätzen, wer sich auf welchem Level befindet. Auf diese Weise ist ein sehr individualisierter Unterricht möglich. 

Und auch die vielen Prüfungen, die über das ganze Semester verteilt sind, tragen zum nachhaltigen Verständnis bei. In einigen Fächern gibt es wöchentliche Tests, in anderen wird alle paar Wochen getestet. In jedem Fach gibt es mehrmals im Semester sogenannte Kolloquien – das sind Prüfungen mit offenen Fragen, also ohne Multiple Choice. Das Bestehen dieser Kolloquien ist notwendig, um am Ende des Semesters zum Examen zugelassen zu werden.

Hier kannst Du sehen, wie Du Dich aus Riga zum Sommersemester 2017 für ein höheres Fachsemester bewerben kannst: Bewerbungsstrategie Riga

Auf diese Weise ist man zum kontinuierlichen Lernen gezwungen. Das ist meiner Meinung nach die Voraussetzung dafür, dass die Informationen im Langzeitgedächtnis bleiben.

Wenn man wie in Deutschland allein für Multiple-Choice-Prüfungen lernt, lernt man gegebenenfalls zwar detaillierter, aber mit weniger Verständnis.

Was waren die Nachteile?

Im Vergleich zu Deutschland hat mir in Riga so gut wie alles besser gefallen. In der vorklinischen Zeit hätte ich mir gewünscht, dass ein bisschen mehr mit den Patienten gearbeitet wird und weniger theoretisch. Ich könnte mir aber vorstellen, dass das in Deutschland ähnlich ist.

Wie war es, auf Englisch zu studieren?

Ich hatte den Vorteil, dass ich bereits in der Schule eine gute bilinguale Englischausbildung hatte. Aber auch für die Anderen, die mit ganz normalem Schulenglisch in Riga angefangen haben, war es kein Problem, auf Englisch zu studieren. Ich kenne niemanden, der aufgrund der Sprache Probleme in seinem Studium gehabt hätte.

Wie wichtig ist es, Lettisch zu beherrschen?

Da Lettland so ein kleines Land ist und Lettisch nur von einem winzigen Teil der Weltbevölkerung gesprochen wird, fällt es in den ersten Semestern manchmal schwer, sich für den obligatorischen Lettisch-Kurs zu motivieren. In den späteren Semestern wird Lettisch aber immer wichtiger, weil man die Sprache für den Unterricht und den Patientenkontakt braucht. Russisch ist aber oft genauso hilfreich, weshalb sich ein Teil der Studenten entscheidet, Russisch zu erlernen, während der andere Teil in den folgenden Semestern sein Lettisch vertieft.

Wie ist das Verhältnis von Deutschen zu anderen Nationalitäten?

An der internationalen Fakultät sind ca. 40 Prozent der Medizinstudenten Deutsche, gefolgt von den skandinavischen Ländern. Jeder deutsche Student, der zum Studium in Riga zugelassen wird, kann sich entscheiden, ob er in einer internationalen Gruppe studieren möchte. So wird garantiert, dass niemand einer rein deutschen Gruppe zugeteilt wird, der das nicht ausdrücklich wünscht.

Neben der internationalen Fakultät gibt es noch die lettische Fakultät. Lange hatten die beiden Fakultäten wenig miteinander zu tun. Seit einiger Zeit besteht allerdings die Möglichkeit, in gemischten lettisch-internationale Gruppen zu studieren. Die Unterrichtssprache bleibt dabei natürlich Englisch.

Lohnt es sich, die hohen Studiengebühren zu zahlen?

Ich finde ja! Erstens ist das Verhältnis von Studierenden zu Lehrenden absolut genial. Es gibt Gruppen von durchschnittlich zehn Leuten mit einem Lehrer je Fach. Ein solches Betreuungsverhältnis ermöglicht einen tollen Unterricht, hat aber eben auch seinen Preis. Zweitens hat die Uni in allen Jahren, in denen ich vor Ort war, sehr viel Geld in Gebäudesanierungen und den Ausbau von Laboren investiert. Außerdem wurde erst vor einigen Jahren ein hochmodernes Technology Centre unweit des Hauptgebäudes eröffnet. Dort gibt es eine Vielzahl an Simulatoren, an denen zum Beispiel kleine Operationen geübt werden können. Man kann also deutlich erkennen, wo die Studiengebühren hinfließen.

Was nimmst du mit aus Deiner Zeit in Riga?

Ein sehr gefestigtes vorklinisches Wissen, tiefe Freundschaften, von denen ich hoffe, dass sie ein Leben lang bestehen bleiben und ganz viel Weltoffenheit. Es ist schon ein großer Schritt, mit 18 Jahren allein in ein fremdes Land zu ziehen, dessen Sprache man nicht spricht und von dem die meisten vorab nichtmals wissen, wo genau dieses Land überhaupt liegt. Wenn man dann die Erfahrung macht, dass das problemlos funktioniert, stärkt das natürlich das Selbstvertrauen. All das hätte ich wohl nicht erfahren, hätte ich direkt in Deutschland mit dem Studium begonnen.

Aus welchen Gründen bist du wieder zurückgekommen?

Der naheliegendste Grund ist natürlich der finanzielle Aspekt. Es lässt sich nun einmal nicht leugnen, dass das Studium in Riga kostspielig ist. Zudem hatte ich damals sehr idealisierte Vorstellungen vom Studium in Deutschland. Unter uns deutschen Medizinstudenten in Riga ist Deutschland das „gelobte Land“, wo alle hinmöchten. Es plant eben auch niemand, nach Riga zu kommen; es ist fast immer die Notlösung. In Riga sind die Studenten sehr kritisch, weil ihnen immer das Ideal von Deutschland vor Augen schwebt, ohne genau zu wissen, wie das Studium in Deutschland überhaupt aussieht. Es gab später Zeiten, in denen ich ein wenig bereut habe, überhaupt nach Deutschland zurückgekehrt zu sein.

Wie war der Neuanfang an der Uni in Dresden?

In Dresden musste ich mich an sehr große Lerngruppen und ein unpersönlicheres Umfeld gewöhnen. In den Prüfungen in Deutschland werden lauter Details abgefragt, es kommt nicht auf das Verständnis an. Es ist ein reines Auswendiglernen, was mich sehr geärgert hat. In Riga wurde sich häufig über den mangelnden Kontakt mit den Patienten beschwert, in Dresden war das aber leider ziemlich ähnlich.

Wie war es für dich, auf einmal auf Deutsch zu studieren?

Am Anfang war es etwas merkwürdig, selbst die einfachsten Ausdrücke – etwa die Segelklappe des Herzens – nicht zu kennen. Sobald aber die lateinischen Ausdrücke fielen, wusste ich, worum es geht.

Wie war es für dich, in einen bestehenden Jahrgang hineinzukommen?

Wir waren allein zwölf Quereinsteiger aus Riga, die gemeinsam in Dresden angefangen haben und noch einige Weitere von anderen ausländischen Universitäten. Gerade in der Anfangszeit haben wir viel unter uns gemacht. Aber dadurch, dass man in den Kursen ständig mit neuen Leuten zu tun hat, war es sehr einfach, auch schnell Kontakte zu den anderen Studenten zu knüpfen. Ich hatte das Gefühl, mit offenen Armen in Dresden aufgenommen worden zu sein und habe mich so schnell eingelebt.

Du studierst bereits Medizin an der Riga Stradinš Universität? Hier kannst du sehen bei wie vielen Universitäten in Deutschland du dich zum Sommersemester für ein höheres Fachsemester bewerben kannst: Bewerbungsstrategie – Es sind ab dem 2. Semester mindestens 25, auch wenn Du bereits das Physikums haben wirst.

Hast du eigene Erfahrungen mit dem Wechsel aus dem Ausland nach Deutschland und hast Lust darüber zu berichten? Schreib uns gerne an kontakt@bewerbungsrenner.de! 

Hast du Fragen zum Wechsel nach Deutschland? Melde dich gerne bei uns! Bewerbungsrenner unterstützt dich beim Einstieg in ein höheres Fachsemester in Medizin in Deutschland schon vor der Bewerbung in ein höheres Fachsemester.