In Bielefeld, genauer gesagt in Ostwestfalen-Lippe, soll ab dem Wintersemester 2020/21 eine neue Medizinische Fakultät eingerichtet werden. Das könnte insbesondere deshalb interessant für euch sein, da parallel zum ersten vorklinischen auch die klinischen Semester starten und somit zukünftig ein Ortswechsel nach Bielefeld möglich ist. Neben den sieben bisher bestehenden staatlichen Studienstandorten (Bonn, Köln, Aachen, Münster, Duisburg-Essen, Düsseldorf, Bochum und der privaten Hochschule Witten-Herdecke, soll die neue medizinische Fakultät dazu beitragen dem Ärztemangel zu begegnen. Dem „Bochumer Modell“ entsprechend soll die zusätzliche Ausbildung von Medizinern und Medizinerinnen vor allem den ländlichen Versorgungsmangel schmälern. Dabei sollen insbesondere die Allgemeinmedizin und die Vernetzung mit akademischen Lehrkrankenhäusern und Arztpraxen auf dem Land eine wichtige Rolle spielen.

Die Fakultäts-Philosophie

Informiert man sich über die in Gründung begriffene Fakultät, stößt man schnell auf die Gleichstellungs- und Genderstrategie, die neben der sog. diversity policy an der medizinischen Fakultät Anwendung finden soll. Das heißt im Klartext, dass neben dem quantitativen Frauenanteil auch Lehrinhalte zum Thema Geschlecht vorgesehen sind, so z.B. über spezifische Lebens- und Arbeitsbedingungen von Frauen. Auch unter dem Stichwort „Vielfalt“ findet man auf der Universitäts-Webseite schon jetzt einige Grundsätze, die in der entstehenden Medizinischen Fakultät verankert sein sollen: Heterogenität wird hier als Potential verstanden, das kreativen Prozessen in Forschung, Lehre, Arbeit und Studium zu Gute kommt. Die Medizinische Fakultät Bielefeld soll deshalb frei sein von diskriminierenden Strukturen, Handlungen und Vorurteilen. Hingegen sollen alle Mitglieder und Angehörige der Universität in Studium, Wissenschaft und Verwaltung wertgeschätzt und anerkannt werden, unabhängig von Geschlecht, Nationalität, ethnischer oder soziokultureller Herkunft, Religion, Weltanschauung, Behinderung oder (chronischer) Erkrankung, Alter und sexueller Orientierung. Zudem wirbt die Universität damit, familiengerecht zu sein.

Das Konzept

Anstelle eines eigenen Universitätsklinikums will man mit 24 Kliniken, also Fachabteilungen von Krankenhäusern zusammenarbeiten, insbesondere mit den Städtischen Kliniken, den Evangelischen Kliniken Bethel sowie dem Klinikum Lippe möchte man kooperieren. Alleinstellungsmerkmal der Medizinischen Fakultät Bielefeld soll die Schwerpunktsetzung auf chronische Erkrankungen und Behinderungen sein.

Vorgesehen sind bis zu 300 Studienplätze, wobei zunächst 48 Studierende ins erste Semester und 48 Studierende in höhere Semester einsteigen können sollen. Die klinische Ausbildung soll dementsprechend parallel zur vorklinischen Ausbildung starten.

Weitere Informationen zum Thema findet ihr hier: https://www.nw.de/nachrichten/regionale_politik/21826098_Ausweitung-Bislang-hat-keine-der-Hochschulen-in-OWL-eine-medizinische-Fakultaet.-Die-designierte-Landesregierung-will-das-aendern-und-so-die-Z.html

Infos zum Bochumer Modell findet ihr hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Bochumer_Modell