Ab dem Frühjahr 2020, das heißt, schon für das kommende Sommersemester sollen die neuen Zulassungskriterien für Bewerber und Bewerberinnen für das erste Fachsemester in medizinischen Studiengängen greifen. Die beschlossenen Veränderungen im Zulassungsverfahren resultieren aus dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts Ende 2017, welches das Zulassungsverfahren zur Humanmedizin teilweise für verfassungswidrig erklärt hatte und eine Änderung desselben bis Ende 2019 forderte. Während sich das Urteil explizit nur auf die Humanmedizin bezog, hat man beschlossen die Zulassungskriterien für alle medizinischen Studiengänge sowie für Pharmazie zu ändern.

Wie die Zulassung zum ersten Semester bisher geregelt ist

Bisher wurden 20% der Studienplätze in medizinischen Fächern nach der Abiturnote vergeben, was durch den enorm hohen Andrang in der Humanmedizin dazu führt, dass meist nur Bewerber mit einem Abitur im vorderen Einserbereich eine Chance auf einen Studienplatz haben. Weitere 20% der Plätze wurden nach der Wartezeit vergeben, wobei die Wartezeit zuletzt bei bis zu 15 Semestern lag. Schon jetzt war es so, dass ca. 60% der Plätze über individuelle Auswahlverfahren der Universitäten vergeben wurden, wobei hauptsächlich Mediziniertests wie der TMS (Test für medizinische Studiengänge) herangezogen wurden.

Was sich im Einzelnen ändern wird

Schon für alle, die sich zum Sommersemester 2020 bewerben wollen, gelten die neuen Zulassungskriterien, die darauf abzielen sollen, die persönliche Eignung der Bewerber und Bewerberinnen für medizinische Tätigkeiten stärker in den Vordergrund zu rücken. Nichtsdestotrotz werden nunmehr nicht nur 20, sondern sogar 30% der Plätze über die Abiturnote vergeben. Dahingegen wird die sog. Wartezeitquote abgeschafft, wobei noch verhandelt wird, ob es für die aktuell Wartenden eine Übergangslösung geben wird. Während einerseits argumentiert wird, dass Wartezeit alleine nicht für ein Medizinstudium qualifiziert, wohingegen die sinnvoll für eine medizinische Berufsausbildung genutzte Zeit auch im neuen Zulassungsverfahren Berücksichtigung finden würde, argumentiert man andererseits, dass das Vertrauen der Studienanwärter und -anwärterinnen erschüttert würde, insofern man als Wartender oder Wartende in einer Warteschlange davon ausgeht irgendwann dran zu kommen. Ist dies dann plötzlich nicht der Fall, kann wiederum mit Klagen gerechnet werden.

60% der medizinischen Studienplätze sollen zukünftig anhand von Kriterien vergeben werden, welche die Universitäten zum Teil selbst bestimmen können, wobei neben der Abiturnote mindestens zwei weitere Kriterien Berücksichtigung finden müssen, die schulnotenunabhängig, zugleich aber von hoher Gewichtung sind. Eines der beiden Kriterien wird für alle Universitäten vorgegeben werden, wobei es sich wahrscheinlich um einen spezifischen Medizinertest handeln wird. Unklar ist bislang noch, ob man den TMS oder eher den HAM-Nat heranziehen wird. Als weiteres Kriterium kämen dann z.B. noch Auswahlgespräche, aber auch berufliche Vorerfahrungen in Frage. Unterscheiden können sich die Zulassungskriterien der verschiedenen Universitäten, insofern diese bis zu 15% ihrer Plätze nach eigenen Kriterien vergeben können, was von der sog. Unterquote geregelt wird.

Da die neuen Zulassungsregelungen nach wie vor den enormen Bedarf an Nachwuchs-Medizinern und -Medizinerinnen bei weitem nicht decken wird, sind auch gewisse Stipendien und Quotenregelungen im Gespräch. Hier ist es insbesondere die Landarztquote, die denjenigen einen Zugang zum Studium ermöglichen soll, die sich schon vor Studienbeginn verpflichten nach ihrem Abschluss 5 bis 10 Jahre als Landarzt tätig zu sein. In diesem Fall soll die Abiturnote dann keine Rolle mehr spielen, sodass die Landarztquote besonders für Bewerber und Bewerberinnen interessant ist, die zwar nicht das beste Abitur mitbringen, jedoch nicht davor zurückschrecken, sich schon früh fachlich festzulegen und an eine Region zu binden.

Kritische Stimmen zur Neuregelung

Kritisiert wird vor allem die Ausweitung der Abiturbestenquote auf 30 anstelle vormals 20%. Während einige in der Abiturdurchschnittsnote meinen, die kognitiven sowie naturwissenschaftlichen Fähigkeiten ablesen zu können, kritisieren andere, dass allein der Numerus Clausus kein Indiz für die berufliche Eignung als Mediziner oder Medizinerin darstellt und stattdessen berufliche Vorerfahrungen stärker Berücksichtigung finden sollten.

Unter dem nachfolgenden Link erfahrt ihr mehr zu den neuen Zulassungskriterien, die ab 2020 für medizinische Studiengänge gelten.

https://www.zeit.de/campus/studienfuehrer/2019/medizinstudium-bewerbungsverfahren-veraenderung-nc-zeq-fairness