Bei einer Bewerbung für ein höheres Fachsemester in Medizin oder Zahnmedizin wird man öfter mit der Frage nach der Ortsnähe konfrontiert. Aber was ist das eigentlich? Und kann man dadurch die Chancen auf einen Studienplatz erhöhen? Ja, in manchen Fällen! Wie das möglich ist, erfahrt ihr hier.

Was ist eigentlich Ortsnähe? Ortsnähe ist die Nähe des Hauptwohnsitzes, an dem man gemeldet ist, zum zukünftigen Studienort. Nun mag man zunächst denken, dass ein Studium im Ausland es daher unmöglich macht, Ortsnähe in Anspruch zu nehmen. Aber: Auch wenn ihr im Ausland studiert, funktioniert es, weiterhin in Deutschland gemeldet zu sein. Sofern Ortsnähe ein Kriterium bei der Rangfolgebildung ist, sind der Universität Stadt- und Landkreise zugeordnet, die das Einzugsgebiet bilden. Bewerber aus diesem Einzugsgebiet werden denen gegenüber bevorzugt zugelassen, die nicht dort gemeldet sind. Welche Kreise einer Universität zugeordnet sind, erfährt man durch die Zulassungsverordnung des Bundeslandes oder durch die Webseite der Universität.
Jedoch ist Wohnsitz nicht gleich Wohnsitz, denn kommt es auch auf die Form der Meldung an. So unterscheidet man zwischen:

  1. Hauptwohnung mit Ehe-Partner/in (oder eingetr. Partner/in) und/oder Kind/ern,
  2. Hauptwohnung mit den Eltern bzw. mindestens einem Elternteil,
  3. Hauptwohnung, alleine bewohnt oder mit anderen Personen.

Gilt die Ortsnähe denn überall gleichermaßen als Kriterium? Nein. Ob und in welcher Form die Ortsnähe eine Rolle spielt, hängt vom Bundesland und der jeweiligen Universität ab. Aber sofern die Ortsnähe von Bedeutung ist und man sie entsprechend geltend machen kann, wird man in eine günstigere Ranggruppe eingeordnet. In den meisten Fällen zählt nur die Wohnung mit (Ehe-)Partner/in und/oder Kind/ern für die Ortsnähe. An ein paar Uni-Standorten ist darüber hinaus auch die Meldung gemeinsam mit den Eltern auf dieselbe Hauptwohnung vorteilhaft. Niedersachsen ist das einzige Bundesland, in dem als drittes Kriterium ebenso grundsätzlich die Meldung mit der Hauptwohnung in Niedersachsen die persönliche Rangposition begünstigt. Und in manchen Bundesländern, wie zum Beispiel Bayern, kommt die Ortsnähe zum höheren Fachsemester gar nicht zum Tragen. Sofern in einem Bundesland zwei oder alle drei der unterscheidbaren Meldekriterien gelten, so sind diese innerhalb des Zulassungsverfahrens in der oben aufgelisteten Reihenfolge einander über- bzw. untergeordnet. Jemand der im Einzugsgebiet einer Uni mit seinen Kindern gemeldet ist, wird also jemandem gegenüber bevorzugt, der im Einzugsgebiet der betreffenden Uni bei den Eltern gemeldet ist.

Wie kann man die Ortsnähe belegen? Durch Vorlage einer entsprechenden Meldebescheinigung, die der Bewerbung beigefügt wird. Diese kann man gegen eine kleine Gebühr beim für den Wohnort zuständigen Bürgeramt beantragen. Wichtig ist, darauf zu achten, dass eventuell mehrere Meldebescheinigungen erforderlich sind, um den entsprechenden Status geltend machen zu können (z.B. die des Bewerbers sowie zusätzlich die zumindest eines Elternteils oder des Partners/der Partnerin und/oder des Kindes/der Kinder). Bei abweichender Namensgebung innerhalb der Familie können u.U. auch Dokumente wie Eheurkunde oder Geburtsurkunde der Kinder nötig sein. In jedem Fall müssen die eingereichten Unterlagen geeignet sein, das Vorhandensein des jeweiligen Kriteriums nachzuweisen.

Also, noch einmal zusammengefasst: Die Ortsnähe kann die Chance auf einen Studienplatz erhöhen, sofern Ortsnähe ein Kriterium ist, der Wohnort in einem der Universität zugeordneten Land- oder Stadtkreis liegt, die Meldung die erforderliche Form hat und dies per Meldebescheinigung(en) belegt werden kann.