Louis Feindt hätte sich mit einem Abiturschnitt von 1,6 für einen Medizinstudienplatz in Deutschland unter Umständen auf mehrere Jahre Wartezeit einstellen müssen. Stattdessen absolvierte er sein Physikum an der Semmelweis Universität in Budapest. Für die klinische Phase wechselte er dann ins 5. Fachsemester an die TU Dresden.

Wie kamst Du darauf, Medizin in Budapest anzufangen?

Hörsaalzentrum der TU Dresden (Von Hans-Jürgen Räth Akrisios)

Hörsaalzentrum der TU Dresden (Von Hans-Jürgen Räth Akrisios)

Nachdem ich in Deutschland keinen Studienplatz bekommen hatte, bin ich im Internet auf die Möglichkeit gestoßen. Pluspunkte waren, dass man dort auf Deutsch studieren kann und dass es den deutschsprachigen Studiengang schon seit 1983 gibt. Als Hamburger gefiel mir auch, dass die Medizinische Fakultät der Semmelweis Universität eine Niederlassung in Hamburg hat.

Würdest Du dort wieder anfangen?

Durchaus! Ich habe die Ausbildung dort sehr genossen. Dadurch, dass hauptsächlich mündlich geprüft wird, kommt es auf das Verstehen an. Dadurch lernt man viel nachhaltiger. Außerdem ist es toll, im Ausland zu sein und Budapest ist wahnsinnig toll.

Hast Du Ungarisch gelernt?

Ich habe über den Pflichtteil hinaus zwei Jahre Ungarisch gelernt. Es war mir wichtig, etwas von der ungarischen Kultur zu lernen und da gehört die Sprache dazu. Da ich im Alltag dann doch viel mit Deutschen unterwegs war, habe ich es aber nicht ständig gebraucht. Ein paar ungarische Freunde habe ich aber doch gefunden.

Aus welchen Gründen bist Du wieder zurückgekommen?

Wäre es nur nach der Stadt gegangen, wäre ich gerne geblieben. Allerdings hätte es schon ein Sprachproblem gegeben. Wenn man mit Patienten umgeht, sollte man schon sehr gut Ungarisch sprechen können. Dann war da der Egofaktor: Ich freute mich über die Bestätigung, auch an einer deutschen Uni angenommen zu werden. In Budapest hätte ich vor der Doktorarbeit eventuell noch eine Diplomarbeit schreiben müssen. Dies ist in Deutschland auf jeden Fall nicht notwendig. Dann gefiel mir die Perspektive, noch eine neue Stadt und ein anderes Lernkonzept kennenzulernen. Ich glaube man profitiert sehr davon, verschiedene Studiensysteme kennenzulernen. Und natürlich sind auch die hohen Studiengebühren ein guter Grund, zurück nach Deutschland zu gehen.

Was nimmst Du mit aus Deiner Zeit im Ausland?

Das war eine aufregende und schöne Zeit. Ich habe tolle Freundschaften gefunden, zu denen ich auch heute immer noch Kontakt habe. Ich habe eine Ausbildung genossen, die mich bestens auf die Klinik vorbereitet hat.

Wie war der Neuanfang an der TU Dresden?

Ziemlich witzig. Viele Leute sind mit mir quereingestiegen, darunter auch viele Leute, die ich aus Budapest kannte. Ich musste mich aber erst einmal an ein anderes System gewöhnen, in dem man sich viel mehr selbst um die Dinge kümmern muss. Vor allem gibt es viel Organisatorisches, das einem niemand abnimmt. Zum Glück waren die Leute in meiner Tutoriumsgruppe sehr aufnahmefreudig und hilfsbereit.

Wie unterscheiden sich die Ausbildungssysteme der beiden Länder?

In Budapest lernt man zwei Jahre lang in derselben kleinen Gruppe, wodurch sich das Studium familiärer anfühlt. Zwar lernt man auch in Dresden in kleinen Gruppen, aber die wechseln mit jedem Semester. Am Anfang eines neuen Semesters hast du oft das Gefühl, niemanden zu kennen. Das Studium in Budapest ist im Vergleich sehr verschult, dir wird genau gesagt, was du lernen sollst und es gibt mündliche Prüfungen. In Dresden ist das Studium hingegen vielmehr Selbststudium. Du musst selber selektieren, was wichtig ist. Das macht selbstständig. Außerdem habe ich an der TU Dresden ein paar mehr Freiheiten, in welchem Semester ich welche Kurse absolvieren möchte.

Wie kompliziert war der Wechsel nach Deutschland?

Nervenaufreibend war das Landesprüfungsamt in Hannover. Als ich meine Unterlagen dort zur Anerkennung hinschickte, war die einzige zuständige Person gerade zwei Wochen im Urlaub… Das hat mich eine Menge Zeit und Nerven gekostet. Ansonsten war es durch Bewerbungsrenner aber nicht weiter kompliziert.

Hast Du besondere Tipps für den Quereinstieg?

Angesichts der knappen Plätze würde ich nicht so sehr nach den Städten gehen und mich rechtzeitig bewerben. Wenn man wechseln will, sollte man sich nicht auf bestimmte Orte festlegen.

Gibt es noch irgendwas, was Du loswerden möchtest?

Ich habe mich bei Bewerbungsrenner sehr gut beraten gefühlt. Es war prima, immer einen Ansprechpartner zu haben und mit Leuten zu sprechen, die sich wirklich auskennen.

Hast Du eigene Erfahrungen mit dem Wechsel aus dem Ausland nach Deutschland und hast Lust darüber zu berichten? Schreib uns gerne an kontakt@bewerbungsrenner.de!