Teil 2 – Wer die Wahl hat, hat die Qual: Regel- oder Modellstudiengang?

Solltet ihr euch entschieden haben, in Deutschland Medizin studieren zu wollen und die NC Hürde ebenfalls gemeistert oder umgangen haben, stellt sich dennoch eine weitere wichtige Frage. Nämlich die, ob ihr in einem Regelstudiengang oder in einem Modellstudiengang studieren wollt. Es lohnt sich, diese Frage nicht leichtfertig zu beantworten, sondern sich etwas eingehender mit den Unterschieden bezüglich des Studienverlaufs zu beschäftigen.

Regelstudiengänge

Entscheidet ihr euch für ein sog. Regelstudium, bedeutet dies, dass ihr ganz der Tradition entsprechend zunächst 4 vorklinische Semester absolviert (2 Jahre Vorklinik), die ihr mit dem ersten Staatsexamen, dem sog. Physikum , abschließt. Das Physikum setzt sich aus einem mündlichen und einem schriftlichen Teil zusammen, der an zwei Tagen hintereinander absolviert wird. Dabei gibt es insgesamt 600 Prüfungsfragen aus allen vorklinischen Fächern in Form eines Multiple Choice Tests. Für die mündliche Prüfung sind hingegen „nur“ 3 Fächer prüfungsrelevant, nämlich Anatomie, Biochemie und Physiologie.

Nach dem erfolgreich absolvierten Physikum erwartet euch dann der acht semestrige (4 jährige) klinische Teil des Studiums. Insgesamt kommt ihr also auf 6 Studienjahre, was 1:1 der Dauer eines Medizinstudiums im Modellstudiengang entspricht. Die finale Abschlussnote setzt sich zu 1/3 aus der Physikumsnote und zu 2/3 aus der Note des 2. Staatsexamens zusammen.

Modellstudiengänge

Entscheidet ihr euch für eine Universität, die einen Modellstudiengang Medizin anbietet, bedeutet dies, dass es keine Trennung zwischen Vorklinik und Klinik und dementsprechend in den meisten Fällen kein Physikum im klassischen Sinn gibt. Stattdessen werden klinische und vorklinische (naturwissenschaftliche und praktische) Inhalte gleichermaßen von dem ersten Semester an integriert unterrichtet. So werden nach und nach Module zu verschiedenen Oberthemen angeboten, so z.B. zum Thema „Bewegung“. Der Fokus liegt dabei auf anschaulichen Patientenfällen, womit u.a. auch der für das Medizinstudium typischen „Bulimie-Lernerei“ entgegen gewirkt wird. Die physikumsrelevanten Prüfungen werden in Form von fünf Prüfungen in der ersten Studienphase getestet, wobei von Anfang an viel Wert auch auf den praktischen Anteil des Studiums gelegt wird. Physik, Chemie und Biochemie werden dementsprechend aufgesplittet. Anstatt die genannten Fächer wie gehabt als Einzelfächer zu unterrichten, werden diese den jeweiligen Organsystemen zugeordnet und bis zum Studienende geprüft. Es gibt jedoch auch Modellstudiengänge, in denen ganz regulär nach 4 Semestern das Physikum stattfindet. Eine Verallgemeinerung hinsichtlich der Frage, ob das Physikum absolviert werden muss oder nicht, ist deshalb nicht möglich. In den höheren Semestern werden die bereits angesprochenen Inhalte der verschiedenen Module dann wieder aufgegriffen und vertieft.

Für potentielle Ortswechsler und Ortswechslerinnen können die Unterschiede zwischen Regel- und Modellstudiengang dazu führen, dass der vom Landesprüfungsamt ausgestellte Anrechnungsbescheid nicht 1:1 übernommen wird, da es von Seiten der Universität Beanstandungen gibt, wenn z.B. die praktische Erfahrung fehlt, die den Modellstudiengang kennzeichnet.

An welchen Universitäten Regelstudiengänge und an welchen Modellstudiengänge angeboten werden, erfahrt ihr hier: