Teil 1 – Zugangsmöglichkeiten zum Medizinstudium

Bevor ihr euch für ein Medizinstudium entscheidet, ist es sinnvoll einige Faktoren mit in eure Überlegungen einzubeziehen. Zum Beispiel stellt sich die ganz grundlegende Frage, ob der erreichte Abischnitt ausreicht, um über die Abiturbestenquote einen Studienplatz in Deutschland zu ergattern und wenn dem nicht so ist, welche Alternativen es gibt. An dieser Stelle haben wir ein paar wichtige Infos für euch zusammengestellt.

Medizin studieren in Deutschland und der vermalledeite NC

Entscheidet man sich für ein Medizinstudium in Deutschland, wirken die Zulassungsvorussetzungen wahrscheinlich erst einmal abschreckend. Wer keine Eins vorm Komma hat, kann schon mal über seine /ihre eigene Abiturnote verzweifeln. Denn natürlich ist die Konkurrenz groß und es gibt eben einige Bewerber und Bewerberinnen, die ein außerordentliches Abiturszeugnis vorweisen können.

NRW – Empathie statt Abi

Doch auch ein weniger gutes Abitur stellt nicht zwangsläufig einen ultimativen Hinderungsgrund dar – wer z.B. mit herausragenden sozialen Kompetenzen glänzen kann, sollte es unbedingt wagen sich in NRW zu bewerben. Hier hat man gerade die „Empathie-Tests“ eingeführt, für die man sich bis Ende April bereits bewerben konnte. Anstelle eines Eins-Nuller Abiturs zählt es hier, in einem Parcours aus ca. 10 Stationen zu überzeugen, in denen verschiedenen Situationen nachgestellt werden. Soziale Kompetenz wird hier also nicht theoretisch abgefragt, sondern praktisch getestet. So geht es in den verschiedenen, nachgestellten Situationen z.B. darum souverän mit drängelnden Patienten im überfüllten Wartezimmer umzugehen oder herauszufinden, ob der gelbgesichtige Patient mit Leberschaden ein Alkoholproblem hat ohne ihm dabei ‚auf die Füße zu treten‘. In einer anderen Situation kann es wiederum darum gehen, eine religiöse Person von einer wichtigen Untersuchung zu überzeugen, ohne dabei ihr Schamgefühl zu verletzen. Mehr über dieses neue Zulassungsverfahren erfahrt ihr hier: https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/studienzugang-mit-empathie-durchs-medizinstudium

https://www.welt.de/regionales/nrw/article191840309/Jetzt-kommt-man-mit-Sozialkompetenz-zum-Medizinstudium.html

TMS

Wer seine Abiturleistung verbessern und sich auf das erste Hochschulsemester bewerben will, kann auch den sog. Test für medizinische Studiengänge absolvieren, dessen Notenergebnis dann bei einer Bewerbung von mehr als der Hälfte der Universitäten berücksichtigt wird. Diese Tests sind so konzipiert, dass kein explizites medizinisches Wissen abgefragt, sondern die grundsätzlichen, naturwissenschaftlichen Kompetenzen und generelle Fertigkeiten geprüft werden. Das heißt zugleich, dass man sich gut auf den TMS vorbereiten kann, insofern sich die für das Medizinstudium wichtigen Kompetenzen trainieren lassen. Dabei geht es um grundsätzliche Dinge wie Textverständnis unter Zeitdruck mit naturwissenschaftlichem Fokus, sodass sozusagen zwei Dinge zugleich geprüft werden. Auch solche Fähigkeiten, die mit Erfolg im Studium in Verbindung gebracht werden, werden geprüft, wenn man den TMS absolviert. Hierbei wird vor allem die Merk- und Konzentrationsfähigkeit, Sorgfältigkeit des Arbeitsverhaltens und das räumliche Vorstellungsvermögen getestet. Wenn ihr euch einen Überblick über die Aufgaben des TMS verschaffen wollt, könnt ihr folgende Webseite besuchen.

https://www.mediziner-test.de/tms/was-ist-der-tms-bzw-medizinertest

Wartezeit

Wer ohnehin zunächst mal etwas von der Welt sehen oder eine Ausbildung abschließen will, kann auch versuchen über die gesammelten Wartesemester einen Studienplatz für das Medizinstudium zu ergattern. Aktuell liegt die Wartezeit für einen Medizinstudienplatz bei 7,5 Jahren also 15 Semestern, weshalb es sich empfiehlt diese Wartezeit sinnvoll zu nutzen. Dabei gilt, dass du zu Beginn deiner Wartezeit nicht weißt, wie lange du letztlich warten musst, da dies von dem NC abhängt, der sich bekanntermaßen ständig ändert. Ein möglicher Vorteil von Wartesemestern kann darin bestehen, dass die möglicherweise absolvierte Berufsausbildung ggf. sogar den Zugang zum Medizinstudium erleichtert (siehe nächster Punkt). Ein eventueller Nachteil besteht darin, dass nicht jeder es schafft, die Wartezeit sinnvoll zu nutzen. Zudem ist es so, dass Zulassungen über Wartesemester langfristig abgeschafft und von anderen Zulassungsvoraussetzungen abgelöst werden sollen.

Berufsausbildung /Auswahlgespräche

Wie bereits angedeutet, kann es für eine Bewerbung auf einen Medizinsztudienplatz hilfreich sein, wenn du bereits eine medizinische Berufsausbildung abgeschlossen hast. So gibt es einige Universitäten, die Bewerbern und Bewerberinnen die Möglichkeit bieten zusätzlich in einem Auswahlgespräch zu überzeugen, wenn diese durch ihren bisherigen beruflichen Werdegang, sprich eine Ausbildung im medizinischen Umfeld, überzeugen können. In Betracht kommen z.B. Ausbildungen in den Bereichen Altenpflege, Gesundheitspflege, Geburtshilfe, Krankenpflege, Pharmazie, Physiotherapie, Rettungsdienst oder eine Ausbildung zum Arzthelfer/ Arzthelferin. Wer sich dafür entscheidet, seine Wartezeit sinnvoll zu nutzen und sozusagen in Vorbereitung auf das Medizinstudium eine Ausbildung zu machen, kann sich in der Regel auf eine Ausbildungsdauer von 3 Jahren einstellen. Wer sein Abitur gemacht hat, kann die Ausbildungsdauer ggf. auf 2 Jahre verkürzen. Aber wie wirkt sich eine abgeschlossene medizinische Ausbildung auf die Bewerbung für das Medizinstudium aus? Zunächst einmal: positiv. Denn neben den erlernten Soft Skills und dem über die Zeit angeeigneten Wissen, kann es sein, dass eure abgeschlossene Ausbildung euren NC so verbessert, dass die z.B. noch fehlenden 0,2 Punkte ausgeglichen werden können. Eine medizinische Ausbildung kann dein Abitur bis zu 0,5 aufwerten. Auch wenn also die Punktzahl für die Berufsausbildung nicht hoch erscheint, kann sie in so manchem Fall ausschlaggebend dafür sein, doch eine Zulassung für das Medizinstudium zu bekommen. Hinzu kommt, dass eure medizinische Ausbildung ggf. auf euer Studium angerechnet werden kann, insofern ihr in diesem ein Pflegepraktikum absolvieren müsst. Beim zuständigen Landesprüfungsamt erfahrt ihr, ob eure absolvierte Ausbildung anerkennungsfähig ist oder nicht. Auch in der Approbationsordnung für Ärzte steht, welche Ausbildungsberufe in Frage kommen und welche Voraussetzungen grundsätzlich erfüllt sein müssen. Zuletzt kann eine Ausbildung auch deshalb von Vorteil sein, da einige Universitäten Auswahlgespräche mit euch führen wollen. Das kann ein Vorteil, aber auch ein Nachteil sein, wenn die gute Abiturnote das Einzige ist, auf das man in solch einem Gespräch verweisen kann. Denn was fehlt, ist die Erfahrung, die man mit einer abgeschlossenen Ausbildung definitiv vorweisen kann. Weitere Informationen zu Ausbildungsberufen im med. Bereich findest du hier:

https://studybees.de/magazin/ausbildung-vor-dem-medizinstudium/

https://www.azubiyo.de/berufe/medizinische-berufe/

Die Landarztquote – oder warum es sich lohnt in Zukunft Landluft zu schnuppern

Schon jetzt gibt es neben den bereits genannten Zugangsmöglichkeiten auch die Möglichkeit über ein Stipendium einen Studienplatz für Medizin zu bekommen, wenn man sich verpflichtet im Anschluss an den Abschluss als Landarzt tätig zu sein.

Auch die sogenannte Landarztquote zielt darauf ab, Bewerbern und Bewerberinnen einen Zugang zum Medizinstudium zu ermöglichen, wenn diese sich verpflichten teilweise mindestens 5, teilweise mindestens 10 Jahre nach ihrem Abschluss als Landarzt in ländlichen Regionen zu praktizieren. So soll dem wachsenden Ärztemangel begegnet werden, der insbesondere auf dem Land weiter zunimmt. Für diejenigen, für die eine Tätigkeit als Landarzt in Frage kommt und eine 5-10 jährige Verpflichtung für die Zeit nach dem Studium nicht abschreckend ist, kann die Landarztquote insofern eine echte Alternative und eine große Chance sein. In Nordrhein-Westphalen wurde die Landarztquote bereits eingeführt. Hier erfahrt ihr in welchen anderen Bundesländern die Landarztquote eingeführt werden soll:

https://www.hartmannbund.de/berufspolitik/informationen/wo-die-landarztquote-kommt/

Im zweiten Teil „Wissenswertes rund ums Medizinstudium“ erfahrt ihr mehr zu den Unterschieden von Modell- und Regelstudiengängen!